Lobenswerte Pressefreiheit in Finnland und Norwegen

Unter dem obigen Titel veröffentlichte die Baltische Rundschau am 27. Januar 2012 einen Artikel mit folgendem Inhalt:

Berlin/BR. Finnland und Norwegen sind laut “Reporter ohne Grenzen” die Länder mit dem höchsten Maß an Pressefreiheit. Das geht aus der “Rangliste der Pressefreiheit 2011″ heraus, die die Organisation am Dienstag im Internet veröffentlichte. Auf den weiteren Plätzen folgten Estland, die Niederlande, Österreich, Island und Luxemburg, die allerdings ebenso wie die Spitzenreiter leichte Punktabschläge gegenüber 2010 hinnehmen mussten. […] Deutschland befand sich auf Platz 16, zusammen mit Zypern und Jamaika. Schwierig seien hier vor allem der Zugang zu Behördeninformationen sowie der Schutz von Quellen und Informanten.

Den Rest kann man in der Baltischen Rundschau nachlesen; auch schon mit der Feststellung, dass die USA Abschläge in der Bewertung hinnehmen mussten, weil „die Polizei die Berichterstattung über die Occupy-Proteste behinderte. Innerhalb von zwei Monaten seien mehr als 25 Fälle bekannt geworden, in denen Journalisten verhaftet oder geschlagen wurden“.

Jetzt ist die Pressefreiheit natürlich ein zweischneidiges Schwert, und das sieht man in den Nordländern genauso. Denn auf der einen Seite soll berichtet werden und auf der anderen Seite das Medienunternehmen vertreten, für das man arbeitet. Da einen goldenen Mittelweg zu finden, zeichnet gute Journalisten aus – und die scheinen in den beiden nordischen Ländern Norwegen und Finnland etwas mehr vertreten zu sein. Bedingt durch bessere Gesetze?

Seien wir doch mal ehrlich: Dass in Deutschland die Behörden und der Schutz von Quellen und Informanten den Zugang zur objektiven Berichterstattung erschweren, ist doch „Vortagelung falscher Spielsachen“, wie Heinz Erhardt es mal ausdrückte. Denn Fakt ist, dass die Medienunternehmen heute allesamt zu großen Aktiengesellschaften gehören – und da geht der Profit der Aktionäre natürlich vor. Wenn dort also ein Unternehmen damit droht, seine großformatigen Werbeanzeigen zurück zu ziehen, wenn nicht ab sofort wohlwollend über diese Firma berichtet wird, dann hat die gesetzlich garantierte Pressefreiheit ausgedient und macht einer Wahrheitenverschiebung Platz, die von Waffenschieberei nicht weit entfernt ist. Auch Worte können töten; und so mancher Redakteur nutzt dieses aus, um sogar Präsidenten zu Fall zu bringen, wenn er damit den Profiteuren der Wirtschaft einen Dienst erweisen kann. Klientel unter sich, meist mit Hilfe der sogenannten Boulevard– bzw. Klatschpresse (yellow press).

Das heißt: Den deutschen teilweise korrupten Medien heutzutage noch zu vertrauen wäre genauso, als nackt in ein Fass Säure zu springen und hoffen, dass man unverwundbar ist.

Es gibt aber noch eine zweite und viel dunklere Seite der Medaille, die von der BR ebenfalls groß erwähnt wurde, nämlich die Länder, die die freie Berichterstattung mit Füßen treten, Journalisten und Reporter verhaften, einsperren oder sogar ermorden und/oder verlangen, nur das zu berichten, was der diktatorische Machthaber ihnen vorgibt zu berichten. Und es brauchen noch nicht mal diktatorische Herrscher zu sein, sondern die Behinderung der Presse passiert laufend auch in demokratischen Staaten (siehe Occupy-Bewegung).

Nur – und da kommen wir zum Knackpunkt: Was von allen Informationen ist jetzt Wahrheit und was ist Lüge?! Und … was können bzw. dürfen wir davon glauben?! Wenn auf der einen Seite Journalisten von Werbeindustrie und Politik geschmiert werden und auf der anderen Seite unterdrückt, behindert und verschleppt.

Nun, es ist wohl unabdingbar, dass wir alle zusammen einen gesunden Menschenverstand haben sollten. Wo er noch nicht ist, da können wir helfen, dass er sich entwickelt. Und zwar einen Menschenverstand, der sofort aufhört, obrigkeitshörig zu sein und auch nicht alles glaubt, was berichtet wird, sondern lernt, zwischen den Zeilen zu lesen, mehrere Quellen hinzu zu ziehen, Berichte und sonstige Veröffentlichungen zu hinterfragen und – ganz wichtig – unseren eigenen Denkapparat als das oberste und einzige Entscheidungsgremium anzusehen. Nur dann, und mit unserem ausdrücklichen Protest für die Verbreitung der absoluten Wahrheit, hat die Pressefreiheit wieder eine Chance, zu dem zurück zu kehren, wo sie mal war. Und das hat dann nichts mehr mit Korruption zu tun oder Mund halten, weil es der Diktator so will. „Reporter ohne Grenzen“ zeigen uns sehr oft den Weg, wo es lang geht. Aber jetzt sollten wir so langsam anfangen, selber die Spreu vom Weizen zu trennen und die inzwischen schon feste Bindung von Medien/Wirtschaft/Börse/Politik zu lösen. In unserem Sinne von Freiheit und Demokratie.

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